Familie hat doch Zukunft: 4. Landespolitischer Abend des Kolpingwerks in NRW

„Das Schicksal der Familie ist über kurz oder lang das Schicksal der Gesellschaft“, stellte der Landesvorsitzende des Kolpingwerks NRW, Karl Schiewerling MdB in seiner Begrüßungsrede zum 4. Landespolitischen Abend im Maxhaus in Düsseldorf heraus.

„Kaum ein Thema packt uns so emotional wie das Thema Familie“, so Schiewerling. „Wir dürfen den Menschen aber nicht vorschreiben, wie sie leben sollen, aber wir müssen als Gesellschaft die Rahmenbedingungen schaffen“, so Schiewerling weiter.

Zu dem Thema: „Sorgenkind Demographie – Sind wir auf dem Weg in die kinderlose Gesellschaft?“ konnten für diesen landespolitischen Abend der Trierer Soziologe Professor Dr. Waldemar Vogelgesang und der ehemalige „Generationen-Minister“ des Landes NRW, Armin Laschet, gewonnen werden (Foto von links: Reinlinde Steinhofer, Karl Schiewerling MdB, Armin Laschet MdL, Werner Sondermann, Brigitte Büscher, Prof. Waldemar Vogelgesang)

Prof. Vogelgesang erläuterte in seinem Vortrag Statistiken und Forschungsergebnisse aus Eigen- und Fremdstudien zum Thema Familie. Die Moderatorin der Veranstaltung, Brigitte Büscher, erteilte ihm in ihrer Einführung das Wort mit der Frage „Was geht schief, wenn am Anfang einer jugendlichen Entwicklung ein Kinderwunsch steht, dieser aber auf der Strecke bleibt?“. Der Soziologe stellte heraus, dass der Demographische Wandel „langsam, aber unaufhaltsam kommen werde“. In Deutschland werden im Jahr 2060 nur noch zwischen 65 und 70 Millionen Menschen leben. Gründe dafür seien vielfältig, wie der Pillenknick im Jahre 1973, der massive Geburtenrückgang in den neuen Bundesländern nach der Wiedervereinigung sowie der nur noch moderate Zuzug von Personen aus dem Ausland. Dies habe zur Folge, dass die Bevölkerung sinke, dies aber „regional völlig unterschiedlich“.

„Wir nicht ganz auf dem Weg in eine kinderlose Gesellschaft“ so Prof. Vogelgesang. Dennoch sei es so, dass „die Älteren immer mehr, die Jüngeren immer weniger“ werden. Der zu erwartende geringe Überschuss an Zuwanderungen fange aber nicht annähernd das Geburtendefizit auf. Die Frage, warum es in Deutschland so wenig Kinder gebe, begründete Professor Vogelgesang mit dem „gleichzeitigen Anstieg der Kinderlosigkeit und dem Rückgang kinderreicher Familien“ (Statische Quintessenz). Der Anstieg des Heiratsalters, die zeitliche Schrumpfung des Geburtenfensters, die vor allem in Westdeutschland fehlenden gesellschaftlichen Anerkennung berufstätiger Mütter sowie der schwierigen Vereinbarkeit von Beruf und Elternschaft sind weitere Gründe. „Nicht selten endet die aufgeschobene Schwangerschaft in der Kinderlosigkeit“, so der Professor. Insgesamt werde das Zusammenleben durch die Pluralisierung der Lebensformen bunter und vielfältiger, wobei allerdings die Familie durchaus heutzutage als „Gegenpol zum gestiegenen Leistungsdruck“ gesehen werde und Eltern und Familie generell überaus wertgeschätzt werden.

Der ehemalige Landesminister Armin Laschet verwies auf die Sichtweise christlicher Familienpolitik: „Der Staat muss trotz Gleichstellung sagen dürfen, dass er das Leben mit Kindern fördern will. Kinder haben ein Recht auf Vielfalt der Familienformen, also besonders auch auf Vater und Mutter – konservativ, aber trotzdem modern. Die Unterschiedlichkeit der Lebensformen muss toleriert und nicht diskriminiert werden“. Um dies zu erreichen fordert Laschet, dass „das Ehegatten-Splitting nicht nur erhalten, sondern zu einem Familien-Splitting erweitert werden soll. Laschet geht sogar noch einen Schritt weiter: „Wenn die Rahmenbedingungen für ein zweites oder drittes Kind besser werden, wäre das ein guter Anreiz“.

In der sich anschließenden Diskussionsrunde mit dem Publikum wurden weitere Gründe erörtert wie Zeitverträge und hohe Forderungen an die Mobilität. Dass gerade im Öffentlichen Dienst die Quote von Zeitverträgen mit 30% am höchsten sei, kommentierte Armin Laschet wie folgt: „Der Öffentliche Dienst muss sich das genau anschauen, allerdings kann dabei nicht gesetzlich Druck ausgeübt werden“. Allerdings verbreitete Laschet auch Hoffnung und begegnete der Aussage Brigitte Büschers, „die Jugendlichen wollen Planungssicherheit und nicht weiter eine Generation Praktikum“, mit der Prognose: „Der Wettbewerb um die jungen Leute wird zwar immer härter, aber den jungen Leute spielt die Demographie in die Hände – die nachwachsende Generation wird mit dem Mut zur richtigen Entscheidung der Gewinner der Demographie“.

Abschließend dankte der Landesvorsitzende Karl Schiewerling allen, die zum Gelingen des Abends beigetragen haben. „Zukünftig müssen wir auch das Augenmerk auf Familienzentren und Mehrgenerationenhäuser legen“, fasste Schiewerling noch zusammen, was das Kolpingwerk im Hinblick auf das „Sorgenkind Demographie“ tun könne und bereits tue: „Die Diözesanverbände engagieren sich und betreiben KITA's, Kindergärten und Familienbildungsstätten, nicht zu vergessen die zahlreichen Familienkreise in den Kolpingsfamilien“.

Text und Fotos: Ulrich Kell