Landesregierung lässt benachteiligte Jugendliche „links liegen“

Düsseldorf / Paderborn. Die NRW-Landesregierung darf benachteiligte Jugendliche nicht weiter „links liegen lassen“. Diese Forderung erhebt das Kolpingwerk NRW mit einem eindringlichen Appell direkt an Ministerpräsidentin Hannelore Kraft und ihre Regierungskoalition.  „Die rot-grüne Landesregierung muss sich entschieden mehr und nachhaltiger um die Bildungs- und Berufschancen dieser Jugendlichen kümmern“, fordert der Kolping-Landesvorsitzende und Bundestagsabgeordnete Karl Schiewerling (Foto links). Er warnt gleichzeitig vor den politischen und sozialen Folgen einer „vergessenen Generation“.

Das Kolpingwerk NRW hat einen 14-seitigen Katalog mit Forderungen und Positionen an die NRW-Landesregierung sowie parallel an alle NRW-Landtagsabgeordneten geschickt. Die Themenbereiche „Berufliche Bildung“ und „Chancengerechtigkeit“ für die junge Generation nehmen in dem Forderungskatalog einen besonderen Stellenwert ein. Der Kolping-Landesvorsitzende hält der Landesregierung einen unbequemen Spiegel vor: „Rot-Grün schmückt sich gerne mit dem Slogan, man wolle `kein Kind zurücklassen´. Realität ist jedoch, dass die Landesregierung benachteiligte Jugendliche stiefmütterlich behandelt, sie quasi links liegen lässt!“

Das Kolpingwerk gehört zu den größten Sozialverbänden des Landes. Allein in NRW zählt Kolping rund 100.000 Mitglieder. Auch betreibt Kolping in NRW fünf große Bildungswerke in den Diözesanverbänden Münster, Paderborn, Köln, Essen und Aachen. Mit ihren rund 2.000 hauptberuflichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern weisen diese Kolping-Bildungswerke ein enormes Erfahrungspotential im Umgang mit der Zielgruppe benachteiligter Jugendlicher auf. „Eine Bestandsaufnahme unterstreicht dabei unsere tiefe Sorge: 14,7 Prozent der Jugendlichen hatten im Herbst vergangenen Jahres noch keinen Ausbildungsplatz und in Summe waren fast 70.000 junge Menschen bis 25 Jahre im Sommer 2013 arbeitslos gemeldet“, fasst es Kolping-Landesgeschäftsführer Werner Sondermann in Zahlen.

Nach Ansicht des Kolpingwerkes NRW setzt die Landesregierung für Jugendliche zu sehr rein auf akademische Bildungsangebote. Die Förderung beruflicher Qualifikation insbesondere für sog. bildungsferne oder eher praktisch veranlagte Jugendliche sei dagegen defizitär, unkoordiniert und nicht passgenau für die Lebenssituation vieler Jugendlicher. Gerade niederschwellige Angebote zur Hinführung zur Berufsausbildung jenseits von „verschulten“ Maßnahmen müssen stärker in den Fokus gerückt werden. „Ansonsten bleibt das Wort der Chancengerechtigkeit in der Praxis eine leere Worthülse“, bemängelt der Sozial- und Arbeitsexperte Schiewerling.

Sondermann betont indes auch: „Wir wollen nicht nur kritisieren. Wir machen in unserem Positionspapier klare Vorschläge, wie bildungspolitische Maßnahmen neu auszurichten sind.“ Deshalb bietet das Kolpingwerk NRW der Landesregierung in dem Schreiben an, direkt ins Gespräch zu kommen und die Chancen für eine Verbesserung für die Jugendlichen auszuloten. „Es geht uns weder um Ideologien noch um Grabenkämpfe, sondern um praxisorientierte Lösungen für diese jungen Menschen  und ihre Zukunft!“, hebt Schiewerling hervor.